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Five students sitting on a balustrade on the RUB campus

Handreichung für eine genderinklusive Sprache

Die Ruhr-Universität ist der Charta der Vielfalt und dem Kodex „Freiheit und Vielfalt an der RUB“ verpflichtet. Sie ist durch eine inklusive Grundhaltung geprägt. Dies gilt auch mit Blick auf den Sprachgebrauch.

Warum eine genderinklusive Sprache?

Zahlreiche Studien belegen, dass bei der Verwendung des generischen Maskulinums („die Studenten“) Frauen und non-binäre Personen häufig nicht mitgedacht werden und sich auch nicht angesprochen fühlen. Überdies fördert das generische Maskulinum das Denken in Stereotypen.

Deshalb ist es wichtig, geschlechterinklusiv zu sprechen und zu schreiben.

Eine geschlechterinklusive Sprache ist Ausdruck einer respektvollen und wertschätzenden Kommunikation. Es ist für die Ruhr-Universität elementar, sich um eine solche Kommunikation zu bemühen. Diesem Ziel kann man sich nur annähern. Es gibt hier noch keine in jeder Hinsicht überzeugende Lösung.

Ein erster Schritt in Richtung einer geschlechterinklusiven Sprache war und ist die explizite Verwendung von weiblichen Anredeformen: „Studentinnen und Studenten“. Diese Form der Anrede ist immer noch wichtig, um Frauen sichtbar zu machen. Doch reicht die binäre Sprachform nicht aus, um die geschlechtliche Vielfalt deutlich zu machen und auch non-binäre und genderfluide Personen einzuschließen.

Wichtig ist eine situationsangemessene Verwendung von geschlechterinklusiver Sprache. Nicht alles eignet sich überall gleich gut. Im Bereich Forschung und Lehre gelten teilweise andere kommunikative Grundsätze als etwa in der universitären Verwaltungssprache. So darf es bei der Leistungsbewertung in der Hochschullehre bspw. keine Rolle spielen, ob und wie geschlechterinklusive Sprache verwendet wird.

Genderinklusive Sprache kann mit etwas Übung und einer Kombination aus expliziten und neutralen Bezeichnungen ansprechend, eindeutig und verständlich sein. Durch den Einbezug aller Geschlechter können Diskriminierungen und Missverständnisse vermieden werden. Dazu legen wir diese Handreichung vor und empfehlen sie allen Hochschulangehörigen zur Anwendung.

Sprache bildet Vorstellungen nicht einfach ab, sondern bringt sie auch hervor und prägt unser Denken und unsere Wahrnehmungsmuster tiefgreifend. Sprache wandelt sich und passt sich permanent gesellschaftlichen Veränderungen an.

Empfehlungen für eine genderinklusive Sprache

1. Geschlechtsneutrale Formulierungen

Geschlechtsneutrale Formulierungen sind die einfachste Form, inklusiv zu sprechen und zu schreiben. Dafür eignen sich bspw. Partizipien im Plural („Studierende“, „Teilnehmende“, „Mitarbeitende“), die häufig schon im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert sind. Oft gibt es gängige Alternativen wie „Personal“ statt „Mitarbeiter“, oder es sind Umschreibungen möglich: „herausgegeben von“ statt „Herausgeber“. Auch Relativsätze werden verwendet: Statt „der Vorsitzende“ ist es möglich zu schreiben „die Person, die den Vorsitz innehat“. Auch Passivformulierungen sind eine Option, die häufig möglich ist: „Hausarbeiten müssen innerhalb von acht Wochen korrigiert werden.“

2. Genderstern

Genderzeichen ermöglichen diverse Geschlechteransprachen in einem Wort und sind damit zentral für eine gendergerechte Sprache. In der gesprochenen Sprache werden sie mit einem glottalen Stopp (Pause) gesprochen.

Im Sprachgebrauch wird der Genderstern inzwischen am häufigsten benutzt: „Student*innen“, „Forscher*innen“. Zudem empfehlen sowohl die Queer-Community als auch der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband am ehesten den Genderstern. Hilfreich ist es, den Genderstern nicht inflationär einzusetzen, sondern immer wieder auch nach Alternativen zu suchen (siehe oben).

3. Umgang mit Umlauten

Manche Begriffe haben in der maskulinen Form keine Umlaute, in der weiblichen Form jedoch schon. Zum Umgang damit gibt es mehrere Möglichkeiten:

  1. Beidnennung und eine geschlechtsneutrale Umschreibung („Französinnen und Franzosen und alle anderen, die in Frankreich leben“)
  2. Alternative Formulierungen („Personen, die die französische Staatsbürgerschaft besitzen“)
  3. Beidnennung mit Genderzeichen („Franzosen*Französinnen“)
  4. Genderzeichen ohne Beidnennung („Französ*innen“)

4. Singular und Plural

Das Genderzeichen ist auch im Singular möglich (der*die Absolvent*in), doch wird es schwierig, wenn ein Substantiv gebeugt wird („des*der Wissenschaftler*in“). Deshalb ist auf die Pluralform („die Wissenschaftler*innen“) oder geschlechtsneutrale Varianten (siehe oben) auszuweichen.

Ist der Singular unumgehbar, ist es möglich, den Stern zwischen der männlichen und weiblichen Form zu setzen („der Rektorin*des Rektors“) oder nur die weibliche Form zu verwenden und „m/w/d“ präzisierend hinzuzufügen: „der Rektorin (m/w/d)“.

5. Pronomen

Bei Pronomen sollte darauf geachtet werden, nicht automatisch die männliche Form zu benutzen. Es ist an folgende Fälle zu denken:

  1. Bei Relativsätzen, in denen ein „wer“ vorangeht, kann „der“ weggelassen werden: „Wer forscht, schreibt oft Bücher“. Oder: „Alle, die forschen, schreiben Bücher“.
  2. Die Begriffe „jeder“ oder „jede“ lassen sich durch „alle“ ersetzen: „Das wissen doch alle“.
  3. „Jemand“ und „niemand“ sollte nicht automatisch mit „der“ weitergeführt werden: „Ich kenne jemanden, die darüber Bescheid weiß“.
  4. Bei Fragen sollte nicht indirekt („Gibt es hier jemanden, der…“), sondern direkt formuliert werden: „Welche Person schreibt das Protokoll?“.

Personal- und (manche) Possessivpronomen wie „sie“, „ihr“, „sein“, „der“, „die“ treffen Aussagen über das Geschlecht und verbleiben im binären System. Durch Verzicht auf Pronomen ist es möglich, dem zu entgehen: „Der Vortrag gefiel Quinn, was Quinn der Referentin auch mitgeteilt hat“.

6. Komposita

Der Umgang mit Komposita ist problematisch, was an männlich konnotierten Begriffen wie „Kanzleramt“ oder „Hochschulrektorenkonferenz“ deutlich wird. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. an der ursprünglichen Form festhalten, wenn eher eine Tätigkeit als ein Beruf bezeichnet wird („Fleischermesser“)
  2. das Kompositum auflösen („Praxis für Frauenheilkunde“ statt „Frauenarztpraxis“)
  3. das betreffende Wort ersetzen („Gehweg“ statt „Bürgersteig“)
  4. die Tätigkeit statt der Person betonen („Redepult“ statt „Rednerpult“)
  5. den Genderstern im Wort verwenden („Zentrum für Lehrer*innenbildung“)

7. Geschlechterinklusive Anrede von Personen und Personengruppen

Höflichkeitsanreden wie „Sehr geehrte Damen und Herren“ sind binär. Folgende geschlechterinklusive Möglichkeiten gibt es alternativ:

  1. mit Genderzeichen und/oder Partizipien: „Liebe Kommiliton*innen“, „liebe Studierende“
  2. bei Singular: Menschen mit ihrem Namen ansprechen: „Guten Tag XY“ statt „Lieber Herr Y“
  3. auf eine Anrede verzichten und direkt mit der Rede beginnen
  4. die neutrale Anrede „liebe alle“ oder, je nach Situation, „verehrtes Publikum“/„liebes Kollegium“/„liebes Team“ verwenden

Nicht gesehen zu werden oder falsch „gelesen“ zu werden, ist verletzend. Deshalb ist es empfehlenswert, bei Unsicherheit eine Person danach zu fragen, wie sie angesprochen werden möchte und selbst darüber Auskunft zu geben (z. B. in der Signatur der E-Mail).

8. Überschriften

Da Überschriften prägnant sein sollten, stellt genderneutrale Sprache hier ein Problem dar, wenn sie zu verlängerten Formulierungen führt. Personen sollten deshalb in Überschriften nicht erwähnt werden. Statt also „Mehr Geld für Rentner“ sollte es „Die Rente steigt“ heißen.

9. Weibliche Formen

Geschlechtsneutrale Sprache kann ähnlich dem Maskulinum Frauen wieder zum Verschwinden bringen. Die bewusste Verwendung femininer Formen („Wissenschaftlerinnen“) ist in bestimmten Kontexten deshalb immer noch empfehlenswert, solange Stereotype dabei vermieden werden (bspw. „die Ärztinnen und Pfleger“ statt „Ärzte und Krankenschwestern“).

10. Das Wörtchen „man“

Hinter dem „man“ verbirgt sich das Substantiv „Mann“, weswegen die feministische Linguistik das Wort problematisiert. Zum Umgang mit dem Wort gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. weiterhin „man“ verwenden, da der Begriff gegenwärtig geschlechtsneutral verstanden wird
  2. „man“ ersetzen durch „ich“ oder „wir“ oder direkte Anrede: „Wenn Sie in die Mensa gehen, dann...“

Glossar

Hier finden Sie Möglichkeiten der geschlechtersensiblen Formulierung im Hochschulrahmen.

Begriffe und Alternativen
  • Absolvent → Absolvent*innen
  • Ansprechpartner → Ansprechpartner*innen
  • Antragsteller → Antragstellende
  • Arbeitgeber → Arbeitgebende, Arbeitgeber*innen
  • Arbeitnehmer → Arbeitnehmer*innen
  • Arzt → Ärzt*innen, Ärztin oder Arzt
  • Autoren → geschrieben von…, Autor*innen
  • Beisitzer Beisitz, Beisitzende, Beisitzer*innen
  • Besucher → Besucher*innen
  • Betreuer → Betreuung, Betreuer*innen
  • Bewerber → Bewerber*innen
  • Dekan → Dekan*innen
  • Doktorand → Promovierende, Doktorand*innen
  • Dozent → Lehrpersonen, Dozierende, Lehrende, Dozent*innen
  • Drittmittelgeber → Drittmittelgebende, Drittmittelgeber*innen
  • Experte, Fachmann → Fachpersonal, Expertise, Fachkundige, Expert*innen
  • Expertenwissen → Expertise, Fachkunde
  • Forscher → Forschende, Forscher*innen
  • Gasthörer → Gasthörende, Gasthörer*innen
  • Habilitand → Habilitierende, Habilitand*innen
  • Herausgeber → Herausgebende, Herausgeber*innen
  • Hochschullehrer → Hochschullehrer*innen
  • Kandidat → Kandidierende (bei Wahlen), Kandidat*innen
  • Kanzler → Kanzler*in
  • Kollege → Kolleg*innen
  • Kommilitone → Mitstudierende, Kommiliton*innen
  • Lehrstuhlinhaber → … hat Lehrstuhl inne, Lehrstuhlinhaber*innen
  • Leiter → Leitung, Leiter*innen
  • Mitarbeiter → Mitarbeitende, Beschäftigte, Personal, Mitarbeiter*innen
  • Nutzer → Nutzungs-, Nutzer*innen
  • Partner → Kooperation mit …, Partner*innen
  • Postdoktorand → Postdoc, Postdoktorand*innen
  • Professor → Professor*innen
  • Prüfer → Prüfende, Prüfer*innen
  • Redner, Rednerpult, Rednerliste → Referierende, Vortragende, Redner*innen
  • Redeliste, Redepult
  • Referent → Referent*innen
  • Rektor → Rektor*in
  • Stellvertreter → Stellvertretung, Stellvertretende, Stellvertreter*innen
  • Stifter → Stiftung, Stiftende, Stifter*innen
  • Student → Studierende, Student*innen
  • Studienanfänger → Erstimmatrikulierte, Studienanfänger*innen
  • Teilnehmer, Teilnehmerliste → Teilnehmende, Teilnehmer*innen, Liste der Teilnehmenden, Teilnahmeliste
  • Tutor → Tutor*innen
  • Verantwortlicher → verantwortlich, Verantwortliche*r
  • Verfasser → verfasst von… , Verfasser*innen
  • Vertreter → Vertretung, vertreten von … , Vertreter*innen
  • Vorsitzender → Vorsitz, … hat den Vorsitz inne, Vorsitzende*r
  • Wissenschaftler → wissenschaftliche Beschäftigte, wissenschaftliches Personal, Wissenschaftler*innen
Bildliche beispielhafte Darstellung eines Doktorhuts
Diversität
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